Tournee 2018

Ensemble der Klosterkirche Guben

Mittwoch, 8. August 2018 - 5. Tag

Tagesbericht

Zweieinhalb Stunden und noch etwas Restblut im Alkohol … Es ist meine erste Chorfahrt, ja meine erste Konzertreise überhaupt und ich kann im Nachhinein sagen, dass der kommende Tag Vieles von dem beinhaltet, was so eine Reise und deren Reiz ausmacht.

Einige von uns haben in Privatquartieren in Nosislav übernachtet. Gut versorgt sind alle, nur der erhoffte Kontakt zu den Gastgebern blieb zumindest bei uns aufgrund der Sprachbarriere auf eine freundliche Begrüßung und die Einweisung in die Gegebenheiten beschränkt: fünf Männer auf 12 qm, Toilettentür schließt nicht, Badtür auch nicht, keinen juckt’s. Tief in der Nacht waren wir durch das Fenster eingestiegen, um niemanden wachklingeln zu müssen.

Trotz all dessen, was jetzt für eine totale Erschöpfung meinerseits sprechen müsste, ziehen mich der herrliche morgendliche Sonnenschein, der wohldurchdachte Ablaufplan und die entstandene Dynamik der Gruppe zum Frühstück ins Hus-Haus, in die Schule zum Beladen der Busse, zurück zum Beladen der Busse. Wir schwitzen und der eine oder andere hätte vielleicht besser hier schon einmal öfter zur Wasserflasche greifen sollen.

Nach Dankesrede, Dankessingen und Verabschiedung von der tschechischen Partnergemeinde wird im Bus 2 zunächst etwas geschlafen, doch nach einer Weile bietet das Kulturprogramm mit Die Kinder des Monsieur Mathieu den rührendsten Film der Fahrt. Niemand möchte sich der Kinderstimmen und der bewegenden Geschichte entziehen. Wir fahren beseelt weiter.

Mittags in Wels angekommen, schlägt uns die Hitze ins Gesicht. Sie begleitet uns an diesem extremen Tag besonders hartnäckig und bis in die Abendstunden. Auch der moderne Raum der katholischen Kirche scheint ebenso der Sonne ein Maximum ihrer Wärme entziehen und in sich speichern zu wollen, wie er das mit entscheidenden Teilen des Orchesterklanges tut. Jedenfalls haben wir bereits zur Stellprobe den ersten kreislaufbedingten Ausfall zu beklagen und ich muss andererseits mehrmals zu den Bläsern hinüberschauen, um mich zu vergewissern, dass sie (selbstverständlich!) noch mitspielen.

13 Stunden nach Weckerklingeln beginnt das Konzert und hier kommt alles zusammen: Müde! Warm! Kreislauf! Lisa und Madlen retten drei weitere Mitglieder von der Bühne. Alle Aufrechten singen und spielen sich tapfer weiter durch das insgesamt gute Konzert, das lediglich durch ein paar Fehl- bzw. Nicht-Einsätze, Zeilenverrutscher und leichte Artikulationsschwierigkeiten begleitet wird.

Doch damit sind die letzten Anstrengungen des Tages noch nicht überstanden! Denn im Kloster Kremsmünster ist es noch einmal eine logistische und vor allem körperliche Herausforderung das gesamte Gepäck und den Proviant über den Hof und in die erste Etage zu schleppen und uns einzurichten. Wenigstens schafft der erste Regen seit vielen Tagen etwas Abkühlung. Am Ende greifen wir dankbar zum vorbereiteten Abendessen und können Brot, Obst und Gemüse richtig genießen.

Bereits gegen Mitternacht wird es ruhig in den meisten Schlafsälen. Nur ein paar der bereits öfter Gereisten sitzt mit den Busfahrern zusammen. Denn morgen ist Bus-„Ruhu“-Tag und man nutzt die Gelegenheit, sich auszutauschen und etwas über die (Reise)-Erfahrungen des anderen zu lernen. Und wenn schon der einzelne Tag derart viele erinnerungswürdige Erlebnisse bringt, dann kann sich so ein Austausch eben auch mal bis quasi zum nächsten Frühstück hinziehen. Man lernt (schläft) nie aus!

Peter (Cello)